vau weh

von sons – agentur für strategische und kreative markenentwicklung.

autsch – das tut weh! schon wieder eine große marke, die vertrauen missbraucht. dabei ist transparenz und verantwortung teil der vw-konzern-führungs-verpflichtung, die sich am deutschen corporate-governance-kodex in der fassung vom 13. mai 2013 orientiert.

»Die Zukunft des Volkswagen Konzerns hängt entscheidend davon ab, ob es uns gelingt, den Unternehmenswert stetig zu steigern. Das Vertrauen unserer Kunden und Investoren ist dafür eine elementare Voraussetzung. Dieses Vertrauen stärken wir durch eine transparente und verantwortungsvolle Unternehmensführung, die in unserer täglichen Arbeit höchste Priorität hat.«

(quelle: volkswagenag.com)

das zeigt: es reicht nicht, die eigenen grundsätze und überzeugungen nur zu formulieren, sie als leitbild zu veröffentlichen oder einer ethik-kommission zu überlassen. werte, regeln und kultur müssen vom management glaubhaft dargestellt und im alltag aktiv vorgelebt werden. wie in einer familie haben auch unternehmen und organisationen eine erzieherische aufgabe. nachdem gemeinsam ein verständnis vom denken und handeln erarbeitet wurde, geht es nun um die umsetzung dieser »wunschvorstellung« und die verankerung in der praxis. damit das leitbild als instrument seinen zweck erfüllt: tag für tag so zu arbeiten und zu handeln, wie es für einen selbst erstrebenswert ist.

damit betreten organisationen eine wichtige ebene, die mehr und mehr an bedeutung gewinnt: nicht nur arbeit zu stiften, sondern auch beziehungen, sinn und glück. wer den ersten satz des vw-statements unter diesem aspekt betrachtet, wird den begriff »unternehmenswert« weiter und tiefergehender interpretieren.

wie aber konnte es zu so einem (selbst-)betrug kommen? es scheint, als habe das management von vw die entwicklung des unternehmenswertes zu einseitig am aktienkurs bemessen. ein spiel mit dem feuer, wie sich heute zeigt: der wert der aktie steht auf dem niveau vom herbst 2007 und hat massiv verloren (von 250,- auf knapp 100,- euro je aktie). hinzu kommen schadenersatzklagen und kosten, die momentan auf bis zu 100 milliarden euro geschätzt werden. nicht eingerechnet die arbeit und zeit, die nötig sein wird, um das verloren gegangene vertrauen wieder herzustellen.

die prioritäten waren – auch wirtschaftlich betrachtet – definitiv falsch gesetzt. der neue konzern-chef matthias müller hat sich damit eine mammutaufgabe aufgebürdet, die er nun wiederum auf wirtschaftlicher ebene beantworten muss: mit drastischen einsparungen und deutlich verringerten investitionen in neue modelle und technologien. fatal für eine branche, die mitten im umbruch steckt.

alle hoffnungen stecken nun in mehr effizienz. das nette wort für »höchstleistungen unter hohem druck bei geringeren kosten« – sprich personal und geld sparen. der ähnliche begriff »effektiv« – also maßnahmen mit wirkung – wäre vielleicht eine bessere antwort auf die krise. denn die beste wirkung erzielt man erst, wenn das vertrauen wiederhergestellt ist. koste es, was es wolle. robert bosch meinte einst sogar: »besser geld verlieren, als vertrauen«. dass dies solche dimensionen annehmen kann, hätte wohl auch er nicht geahnt.

»die wahrheit ist eine unzerstörbare pflanze. man kann sie ruhig unter einen felsen vergraben, sie stößt trotzdem durch, wenn es an der zeit ist.«

frank thiess

ps: erst in den schlagzeilen, dann in den kino-charts: leonardo dicaprio plant die verfilmung des vw-skandals nach dem geplanten buch von jack ewing.